Am 29.2. berichtete stern TV, dass bei Bio-Fleisch in 19 von 38 Stichproben sogenannte ESBL-Keime gefunden wurden, die gegen diverse Antibiotika resistent sind. Darunter waren auch Produkte, die mit den strengen Siegeln von Demeter, Bio- und Naturland versehen sind. In Schweinefleisch wurden in zwei von zehn Proben Keime nachweisen, die gegen Antibiotika resistent sind, bei Hähnchenfleisch waren es gar 17 von 28. In konventionellem Fleisch wurden Anfang Februar in jeder dritten Probe Keime nachgewiesen. [1]

Fritz Titgemeyer von der Fachhochschule Münster, der das Fleisch für stern TV untersucht hat, zeigte sich überrascht von dem Ergebnis: „Ich hätte erwartet, dass im Biofleisch deutlich weniger ESBL zu finden sind.“ Denn in der biologischen Landwirtschaft ist die Gabe von Antibiotika eigentlich verboten. In der Praxis scheint dies aber nicht eingehalten zu werden. Möglicherweise findet auch eine Keimübertragung über den Kontakt mit Fleisch aus der Massentierzucht in den Schlachthöfen statt. Bereits Anfang Februar hatte stern TV in konventionellem Fleisch in jeder dritten Probe Keime nachgewiesen. [1] Der Vorstandsvorsitzende des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein, sieht die Ursache in erster Linie bei der Massentierhaltung: „Die entscheidende Frage ist nicht, wo diese Keime gefunden werden, sondern wo sie herkommen“, sagt er. „Und sie kommen aus einer Tierhaltung, die Tiere so hält, dass man sie nur mit mehreren Antibiotika-Gaben am Leben hält.“ [2]

ESBL ist die Abkürzung für „Extended Spectrum Beta-Lactamase“ – diese Bezeichnung beschreibt eine gemeinsame Eigenschaft einiger Darmkeime, die aufgrund genetischer Veränderungen nicht mehr auf Antibiotika reagieren. Dadurch können sie sich ungehindert im Körper ausbreiten und eine Infektion auslösen. Betroffen sind vor allem Menschen mit schwachem Immunsystem. In den USA sind bereits etwa 70 Prozent der in Krankenhäusern erworbenen infektiösen Keime resistent gegen mindestens ein Antibiotikum. 2005 infizierten sich rund drei Millionen Europäer mit Keimen, gegen die herkömmliche Antibiotika einfach nicht mehr helfen – 50.000 von ihnen starben daran. [3]

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung werden in Deutschland Erreger aus der Nutztierhaltung und aus Lebensmitteln tierischer Herkunft als Hauptursachen für Infektionen des Menschen mit ESBL-bildenden Bakterien angesehen. [4] Tödliche Keime aus dem Stall titelte dementsprechend vor kurzem die Zeitung Die Welt und zitierte Roswitha Merle von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover mit den Worten: „Eine Antibiotikaresistenz kann durch den Verzehr von tierischen Lebensmitteln auch auf Keime im menschlichen Körper wie die Darmflora übertragen werden“. Seit 2006 dürfen Antibiotika EU-weit nicht mehr zur Förderung der Mastleistung eingesetzt werden; dennoch wurden nach BUND-Schätzungen 2010 in deutschen Ställen knapp 1000 Tonnen Antibiotika verfüttert – fünf Jahre zuvor waren es noch 100 Tonnen weniger gewesen. [5]

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland warnte Anfang des Jahres: „Jede zweite Hähnchenfleisch-Probe aus deutschen Supermärkten ist mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Das ist die erschreckende Folge des fortgesetzten Antibiotika-Missbrauchs. Dieser ist nicht nur dafür verantwortlich, dass wichtige Medikamente ihre lebensrettende Wirkung verlieren können. Das Ausmaß der Kontamination von Lebensmitteln mit Krankenhauskeimen ist ein deutliches Warnsignal vor den Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung“ – so BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. Eine immer größere Zahl von Nutztieren auf immer weniger Platz zu halten, sei nur unter Einsatz großer Mengen von Antibiotika möglich. Der BUND fordert deshalb die industrielle Tierhaltung zurückzudrängen und Subventionen für die industrielle Fleischerzeugung abzuschaffen. [6]

Solche Forderungen treffen allerdings auf taube Ohren: Obwohl etwa der Markt für Hühnerfleisch in Deutschland längst übersättigt ist, wird in Wietze bei Celle in Niedersachsen derzeit der größte Geflügelschlachthof Europas errichtet. Acht Hühner pro Sekunde sollen in Wietze getötet werden, 135 Millionen pro Jahr. Um diese riesige Anlage auszulasten, müssen im Umfeld zusätzlich rund 450 Mastbetriebe mit je 40.000 Tieren entstehen. Der Bau wird, subventioniert mit neun Millionen Euro aus Steuergeldern, durchgesetzt – trotz großem Widerstand aus der Bevölkerung. [7]

Ist Ihnen der Appetit vergangen? – Zum Glück gibt es Wheaty! Offensichtlich wird auch die „artgerechter Haltung“ verpflichtete Bio-Fleisch-„Produktion“ weder dem Tier, noch dem Menschen, noch der Umwelt gerecht. Bei den rein pflanzlichen Wheaty-Produkten ist der Einsatz von Antibiotika gar nicht erst notwendig, und es besteht keine Gefahr für eine Belastung mit Tierseuchen.