Das Agrarministerium unter Christian Schmidt (CSU) hat zum Jahreswechsel ein „Grünbuch“ herausgebracht, in dem die Zukunft der Landwirtschaft verhandelt wird. Das Ministerium setzt sich hehre Ziele – will aber weitermachen wie bisher.

Es geht im „Grünbuch“ um nicht weniger als um die Zukunft der Ernährung und der Nahrungsproduktion. Viele der darin aufgeführten Ziele klingen zunächst sehr gut. So sollen wir laut dem Ministerium im Jahr 2030 eine Landwirtschaft erleben dürfen, „die Verantwortung für das Tier und die Umwelt übernimmt“; als Ergebnis einer modernen, in die Zukunft gerichteten Ernährungspolitik, die zum Ziel habe, „einen gesund erhaltenden Ernährungs- und Lebensstil bei den Menschen zu fördern“, sollen bis dahin auch die ernährungsbedingten Krankheiten deutlich reduziert sein.

Tierhaltung soll nach wie vor Basis sein

Ernährungsbedingte Krankheiten hängen eng mit Tierprodukten zusammen. Schon 2015 hat die WHO verarbeitete Fleischprodukte als krebserregend eingestuft, und eine Studie aus Schweden hat nun nachgewiesen, dass Fleischkonsum die Lebenserwartung senkt – schon zwei Wurstsemmeln oder ein Schnitzel am Tag reichen aus. Man dürfte von einem Ministerium, das die Reduktion ernährungsbedingter Krankheiten zu seinen Zielen zählt, daher Maßnahmen zur Reduzierung des Fleischkonsums erwarten. Falsch gedacht! Zwar heißt es in dem Papier, man wolle „die Arbeit zu Ernährungsfragen in den Vereinten Nationen“ stärken, doch obwohl gerade die Welternährungsorganisation seit längerer Zeit auf die dringende Notwendigkeit einer grundlegenden globalen Ernährungsumstellung weg von Tierprodukten hinweist, hält das deutsche Ministerium an alten Ideologien strikt fest: „Die Nutztierhaltung ist das wirtschaftliche Fundament der deutschen Landwirtschaft“, heißt es – und das soll auch so bleiben: „Es muss gelingen, die moderne Nutztierhaltung in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren.“

Hunger beseitigen – mit Fisch?

Fisch und Fischereierzeugnisse werden als „wertvoller Teil unseres Essens“ bezeichnet; die Nutzung der Fischbestände als tierische Proteinquelle spiele für die Ernährung der steigenden Weltbevölkerung eine wichtige Rolle. Dabei sind die Meere ohnehin schon überfischt. „Millionen Menschen können sich 2050 keinen Fisch mehr leisten“, meldet Wiwo Green. Die einzig sinnvolle Option ist die vegane: „Eine globale Umstellung auf eine vegane Ernährung ist von entscheidender Bedeutung, um die Welt vor Hunger, Energiearmut und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu retten“, fasst die britische Zeitung The Guardian das Ergebnis einer UN-Studie zusammen. Dennoch soll, so das Agrarministerium, „innerhalb der nächsten 15 Jahre der Hunger weltweit vollständig beseitigt, für jeden Menschen eine gesunde und ausgewogene Ernährung ermöglicht und die Landwirtschaft weltweit auf nachhaltige Bewirtschaftungsweisen umgestellt werden“. Hehre Ziele – doch wie soll deren Verwirklichung überhaupt möglich sein, wenn die Wirtschaft nach wie vor auf dem überholten Modell der Tierhaltung beruhen soll?

Subventionierung von Tierprodukten soll bleiben

Laut dem Ministerium gilt es, eine „nationale Nutztierstrategie“ zu entwickeln und die landwirtschaftliche Nutztierhaltung zu unterstützen. Noch nicht einmal die Subventionierung von Tierprodukten soll abgeschafft werden, es sei lediglich erforderlich, „dass die Direktzahlungen stärker bäuerliche, viehhaltende Betriebe fördern“. Da nutzen dann auch kosmetische Maßnahmen wie die Einführung eines staatlichen „Tierwohllabels“ sowie die Ernennung eines „nationalen Tierwohlbeauftragten“ nichts mehr. Die einzigen positiven Aspekte, die diesbezüglich in dem Papier genannt werden, sind: Das Töten von Ersttagsküken soll beendet werden; es sei „zu Recht ein Symbol für respektlosen Umgang unserer Gesellschaft mit Tieren“. Der Einsatz von Medikamenten, insbesondere Antibiotika, in der Nutztierhaltung soll gesenkt werden; eine einseitig auf Höchstleistung ausgelegte Zucht, „die Merkmale wie allgemeine Tiergesundheit, Nutzungsdauer und Robustheit nicht ausreichend berücksichtigt“, habe „keine Zukunft“.

Ministerium für Wahrheit?

Dass man von einem Agrarminister, der eine „Schweinefleischpflicht“ an deutschen Schulen fordert und „Fleischbezeichnungen“ für pflanzliche Produkte verbieten will, nicht viel mehr erwarten kann, war klar. Mit der Publikation dieses Papiers mit den vielen schönen leeren Worten wird die Bevölkerung einmal mehr für dumm verkauft: Die Ziele, die Christian Schmidt beschreibt, sind bei Beibehaltung einer Wirtschaft, die stur auf Tierhaltung setzt, schlicht und einfach niemals zu erreichen. Allerdings scheinen bewusste Falschdarstellungen das Ministerium, das vorgeblich auf „Klarheit und Wahrheit“ gegenüber dem Verbraucher setzt, nicht zu stören; so behauptet das Grünbuch etwa auch, internationale Handelsabkommen wie CETA würden helfen, „einen fairen globalen Handelsaustausch zu organisieren“.

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